Denn die Wurzeln der Hoffnung reichen nicht tief genug


Die Welt hat Hämmer und die schlagen gegen meinen Kopf und dabei entstehen Bilder voller Wünsche und ich fühle mich nicht wohl dabei.
Ich habe einen netten Menschen kennen gelernt – einen verdammt netten. Einen so netten, dass ich mich verlieben werde. Das kann ich jetzt schon sagen. Und ich bin gerade dabei, Tee zu trinken und der ist heiß und ich habe keinen Hunger, wenn ich an ihn, an diesen einen Menschen denke. Es ist kein Kribbeln. Noch nicht. Es ist nur so etwas wie Durst.
Das Gleichgewicht zwischen Liebesbriefe schreiben und Liebesbriefe bekommen ist ziemlich unausgeglichen. Und das Gleichgewicht zwischen Hoffnung und Gewissheit wird niemals besser werden. Er braucht immer drei Tage, um auf eine SMS zu antworten. Und wenn ich jetzt heulen müsste deswegen, würde ich mir einreden, dass es sich nicht lohnen würde. Es ist nur die Hoffnung, die stirbt. Da werde ich nie Einfluss ausüben können. Ein Fluss tritt dort über Wasser, wo der Deich am niedrigsten ist und ich bin schon ertrunken. Hoffnungslos ersoffen.

Wir saßen nur beim Argentinier und haben geredet und ich habe am nächsten Tag gezweifelt. Über mich, über die Welt, über ihn. Vor allen Dingen über das, was zwischen mir und ihn laufen könnte. Und selbst „laufen können“ klingt total doof. Es wird nichts laufen. Beim Laufen bewältigt man eine Strecke von A nach B, um dann anzuhalten und Luft zu holen. Ich möchte, dass wir beide funktionieren, dass wir beide wie Atmen oder Essen notwendig werden. Und es ist jedes Mal, wenn man sich mit 10 oder 11 oder 12 oder 17 Jahren zum ersten Mal verliebt, gleich: es ist das gleiche Bewusstsein, der gleiche Rhythmus im Schwanken der Gefühle und die gleiche Ungereimtheit auf unzählige Fragen, die man sich stellt. Und jedes Mal sehe ich mich in Gedanken seine Hände halten und jedes Mal traue ich mich nicht, aus meinen Gedanken aufzusehen und in die Wirklichkeit zu blicken. Da finde ich keinen Halt, denn die Wurzeln der Hoffnung reichen nicht tief genug.
Und die Ungewissheit prasselt jeden Tag wie Regen auf mir nieder, hämmert in meinem Kopf herum und malt mir Bilder, die mir Glauben machen wollen, es gäbe nichts mehr zu verlieren, weil ich schon verloren habe.

Gewissheit reinigt den Magen.

Als wir uns zum ersten Mal trafen, dachte ich noch nicht daran und als ich nach Hause ging, konnte ich es nicht glauben. Und jetzt sitze ich müde und verkrampft mit einem Tee in der Hand und dem Handy vor mir auf dem Tisch und warte, und warte, und möchte Gewissheit und…

…ich bin zu schüchtern um anzurufen.
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